Einrichtung einer Externistenprüfungskommission für den Orthodoxen Religionsunterricht am Orthodoxen Schulamt

 

Die Externistenprüfungskommission hat als Aufgabe die Durchführung von Jahresprüfungen für den Orthodoxen Religionsunterricht für die entsprechende Schulstufe

  1. für Schüler/innen der Sekundarstufe II, die die Reifeprüfung aus Orthodoxer Religion ablegen wollen, die aber den Orthodoxen Religionsunterricht in einer Schulstufe oder in mehreren Schulstufen der Sekundarstufe II nicht besucht haben;
  2. für Schüler/innen, in deren Klassen kein regulärer Religionsunterricht stattgefunden hat, die aber privat von kompetenten Lehrern oder von den Eltern in Orthodoxe Religion unterrichtet worden sind;
  3. für Schüler/innen, die Schulen ohne Öffentlichkeitsrecht (z.B. Waldorfschulen) besuchen, auch wenn dort Orthodoxe Religion unterrichtet wird.

 

Die Mitglieder der Externistenprüfungskommission:

 

FI Branislav Djukaric (Leiter der Kommission)

FI Pashalis Archimandritis

DDr. Johann Krammer

 

Die Prüfungen werden gewöhnlich von einem der Mitglieder der Externistenprüfungskommission durchgeführt. Der Leiter der Externistenprüfungskommission kann in Einzelfällen auch einen anderen Religionslehrer/eine andere Religionslehrerin zur Durchführung der Prüfung beauftragen.

Über die Prüfung wird ein Zeugnis des Orthodoxen Schulamtes ausgestellt und an die betroffene Schulleitung geschickt.

 

 

 

 

 

Mit Mit dem Studienjahr 2007/2008  hat in Österreich eine neue Ära in der Lehreraus- und Weiterbildung begonnen. Die 51 staatlichen und privaten Pädagogischen Akademien und  Institute wurden in insgesamt 14 Pädagogische Hochschulen umgewandelt. Neun davon werden vom Staat getragen, die restlichen fünf von den Kirchen erhalten. Die gesamte Lehreraus- und Weiterbildung der Pflichtschullehrer bzw. Religionslehrer aller christlichen Konfessionen  (Volksschule, Hauptschule, Sonderschule, Polytechnische Schule) findet unter einem Dach der Pädagogischen Hochschulen statt. Die Ausbildung der Lehrer  in Allgemeinbildenden sowie Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen bleibt weiterhin im Bereich der Universitäten.

Ab 1. Oktober 2007 gibt es  in Wien zwei Pädagogische Hochschulen. Eine vom Bund getragene Pädagogische Hochschule, sowie eine von den Kirchen erhaltene Kirchlich Pädagogische Hochschule. Mit einer akademischen Feier  und einem ökumenischen Gottesdienst, an dem Repräsentanten von elf christlichen Kirchen in Österreich mitwirkten,  wurde am Montag, 1. Oktober 2007, in Wien die neue Kirchliche Pädagogische Hochschule eröffnet. Diese neu gegründete Hochschule in Wien ist mit der Einrichtung von acht Instituten und der Konzeption einer ökumenischen Profilierung der Lehrerbildung nicht nur die größte diesbezügliche Institution in Österreich, sondern einzig in ihrer Art in ganz Europa.

Mit dem akademischen Grad eines "Bachelor of Education" (BEd) wird die Ausbildung zum Volks-, Haupt-, Sonderschul- oder Religionslehrer  abgeschlossen. Am Institut für die Ausbildung von Religionslehrer im Rahmen der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien wird ein sechssemestriges Bachelorstudium für die Ausbildung von Religionslehrern für Pflichtschulen angeboten. Neben dem Ausbildungsstudium bietet die Hochschule auch Weiterbildungsangebote für Lehrer aller Schultypen. An diesem europaweit einzigen Projekt sind fünf traditionelle christlichen Konfessionen beteiligt: Katholiken, Evangelische, Orthodoxe, Altkatholiken und Altorientalen.

Die Orthodoxe Kirche in Österreich erhielt durch die Einrichtung dieser einzigen orthodoxen Lehreinrichtung für die Pflichtschulen im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit zu einer solchen religionspädagogischen Ausbildung, um nicht nur auf die Dauer  den Bedarf an Religionspädagogen zu decken, sondern auch, um die Rechte der orthodoxen Christen dieses Landes auf einen ihnen gemäßen Religionsunterricht deutlich werden zu lassen. Hierzu zählt auch die umfassende statistische Erhebung der  Schüler orthodoxen Glaubens, die an österreichischen Schulen in den vergangenen zwanzig  Jahren unterrichtet wurden.

Die Ausbildung orthodoxer ReligionslehrerInnen aus allen orthodoxen Diözesen des Landes zu Religionspädagogen, die bereit und fähig sind, junge Orthodoxe ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft in Deutsch als Unterrichtssprache zu unterrichten, ist für die Zukunft unserer Kirche von herausragender Bedeutung. Damit wurde in Österreich, das einen nicht geringen Anteil an orthodoxen Christen aufweist (insgesamt über 400.000 Gläubige) und auf eine schon zwei Jahrzehnte währende Praxis orthodoxen Religionsunterrichtes zurückblicken kann, endlich eine Basisausbildung für zukünftige orthodoxe Religionslehrer eingerichtet; darüberhinaus sollen auch eine berufsbegleitende religionspädagogische Fort-, und Weiterbildung ermöglicht werden.  

Die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien versucht somit, vor allem am Institut für die Ausbildung von Religionslehrer, in einer kulturellen und konfessionsorientierten Vielfalt eine innovative und identitätsbildende wertorientierte Lehrerbildung auf hohem Niveau zu erreichen. Im gegenseitigen Austausch eigener Besonderheiten sowie konkret praktiziertem Miteinander sollen individuelle Ziele und Visionen gemeinschaftlich und konstruktiv entwickelt und grenzübergreifend vermittelt werden.

Institut: Ausbildung Religion

 

 

1. Die kirchliche und pädagogische Dimension des Berufes der Religionslehrer/innen

Der Beruf der Religionslehrer/innen hat eine doppelte Dimension: eine kirchliche und eine pädagogische. Orthodoxe Religionslehrer/innen nehmen in ihrer Tätigkeit am Verkündigungsauftrag der Kirche teil. Daher benötigen sie die kirchliche Bevollmächtigung zur Verkündigung der christlichen Botschaft (Missio canonica). Sie wirken im Namen der Orthodoxen Kirche. Damit ihr Zeugnis glaubwürdig ist, soll ihre Lehre den Glauben der Kirche wiedergeben und ihr Leben den christlichen Geboten entsprechen. Sehr wichtig sind ihre Verwurzelung in einer orthodoxen Kirchengemeinde und ihre regelmäßige Teilnahme am gottesdienstlichen Leben und an den Aktivitäten der Gemeinde. Andererseits ist der Beruf der Religionslehrer/innen ein pädagogischer. Die Schüler/innen und ihre allseitige Entwicklung sollen im Zentrum der Tätigkeit im Lehrberuf stehen.

 

2. Anforderungen

Entsprechende berufliche Anforderungen ergeben sich durch die theologische und religionspädagogische Ausrichtung dieses Berufes. Neben den theologischen und pädagogischen Kenntnissen wird insbesondere gefordert: ein hohes Maß an beruflicher Motivation, psychische Stabilität, Selbstbewusstsein, sprachliche und soziale Kompetenz sowie weitere berufliche Voraussetzungen: Freude am Umgang mit Kindern und Jugendlichen, Verständnis und Offenheit für jugendliche Fragen, Probleme und Schwierigkeiten, Kooperationsbereitschaft, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit,rhetorisches Können, Freude am Erklären und Lehren mitbringen, sowie Freude an lebenslangem Lernen und an Weiterbildung.

 

3. Der Inhalt des Religionsunterrichts

Orthodoxe Religionslehrer/innen unterrichten an Pflichtschulen sowie an mittleren und höheren Schulen Orthodoxe Religion. Der Inhalt des Religionsunterrichts wird durch den Lehrplan für den orthodoxen Religionsunterricht vorgegeben. Da die Lebenswelt der Schüler/innen mit all ihren Problemen und Fragen, mit Freude und Leid in ihrer Entwicklung ein wesentlicher Teil des orthodoxen Religionsunterrichts ist, soll auch diesem Bereich ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Auswahl, Reihung und Gewichtung der diesbezüglichen Themen sind an den Erfordernissen der jeweiligen Klassensituation zu orientieren. Durch die Berufsausbildung soll der Ausgebildete befähigt werden, die nachfolgenden Lerninhalte kompetent und fachgerecht auszuführen.

 

In der Volkschule

erläutern die Religionslehrer/innen das Alte und das Neue Testament und interpretieren die zentrale Botschaft, die Grundbegriffe, wichtige Aussagen der Heiligen Schrift und der Überlieferung, entscheidende Phasen und geschichtliche Schlüsselereignisse, die für die Grundlagen des christlichen Glaubens von großer Bedeutung sind. Weiters vermitteln sie die Grundkenntnisse über die Grundsätze des christlichen Lebens und Glaubens und eine schrittweise Einführung in das sakramentale Leben der Orthodoxen Kirche. Darüber hinaus lehren sie die Bedeutung der hohen christlichen Feste (Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten usw.) und leiten die Schüler zum Gebet an. Auch das Einüben von Kirchengesängen zählt zu ihren Aufgaben.

 

In der Sekundarstufe I

sind die Unterrichtsinhalte in jeder Klasse in drei Themenbereiche eingeteilt. Der erste Themenbereich „Berufung zur Heiligkeit“ ist das Hauptmotiv des Religionsunterrichts in den Klassen, wobei der psychologischen Situation und dem existentiellen Suchen der Jugendlichen in diesem Alter Rechnung getragen wird. Der zweite Themenbereich „Liturgisches Leben der Kirche“ hat die Aufgabe, den Schüler/innen ein Verständnis der durch die Heilige Überlieferung der Kirche geprägten Feste und Gebete zu vermitteln und ihnen die Sakramente der Kirche als die siebenfache Quelle der Heiligkeit näher zu bringen. Der dritte Themenbereich „Orthodoxe Spiritualität“ hat in der Diaspora-Situation vieler orthodoxer Christen in Österreich eine besondere Bedeutung. Dort, wo die Teilnahme am Gemeindeleben einer Pfarre wegen der großen Entfernung nur sehr eingeschränkt möglich ist, ist die Durchdringung des alltäglichen Lebens durch das persönliche und familiäre Praktizieren des orthodoxen Glaubens umso wichtiger.

 

In der Sekundarstufe II

sind die Unterrichtsinhalte in jeder Schulstufe ebenfalls in jeweils drei Themenbereiche eingeteilt. Der erste Themenbereich „Orthodoxie als Lebensweise“ hat die Aufgabe, den Schülern und Schülerinnen das Verständnis dafür zu vermitteln, dass sich orthodoxes Christsein im Leben vollzieht und in der Praxis verankert ist, und zwar im Gotteshaus und in der Gemeinde („Leben in der Kirche“) und in der gesamten Lebensgestaltung („Leben im Alltag“). Der zweite Themenbereich „Orthodoxer Glaube“ hat in den fünf Schulstufen der Sekundarstufe II das Heilswerk Gottes, die „Heilökonomie Gottes“, zum Inhalt. Der dritte Themenbereich „Orthodoxe Christen und Christinnen vor den Herausforderungen unserer Zeit“ soll schließlich die Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen angesichts der heutigen Probleme der Gesellschaft sowie der Menschheit überhaupt fördern und gewährleistet die Lebensnähe und Aktualität des orthodoxen Religionsunterrichts in der Sekundarstufe II.

 

4. Voraussetzungen

Für den Religionsunterricht an höheren Schulen ist ein Theologisches bzw. religionspädagogisches Studium an einer Theologischen Fakultät (ab dem Studienjahr 2015-16 auch an der Universität Wien möglich) erforderlich.

Für den Pflichtschulbereich (Volks- und Hauptschule bzw. Neue Mittelschule, Polytechnische Schule) gibt es ein Studium für die Lehrberechtigung für Orthodoxe Religion an der KPH Wien/Krems. Voraussetzung: Matura oder Studienberechtigungsprüfung

 

5.Beschäftigung

Orthodoxe Religionslehrer/innen unterrichten Religion an Pflichtschulen sowie an mittleren und höheren Schulen Österreichs. Anstellungsmöglichkeiten sind derzeit vor allem in größeren Städten gegeben.

 

6. Fort- und Weiterbildung

Die Fort- und Weiterbildung der orthodoxen Religionslehrer/innen wird in Zusammenarbeit mit dem Orthodoxen Schulamt ebenfalls von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems angeboten und organisiert.