Zunächst wurde der orthodoxe Religionsunterricht nur innerkirchlich auf der Ebene der Kirchengemeinden erteilt. Durch die gesetzliche Anerkennung im Gefolge des Orthodoxengesetzes erhielt die Orthodoxe Kirche das Recht der Erteilung des Religionsunterrichts in allen öffentlichen und mit Öffentlichkeitsrecht ausgestatteten Schulen Österreichs, wenn die entsprechende Zahl orthodoxer SchülerInnen gegeben ist. Notwendige Grundlage für die Erteilung des Religionsunterrichts war zunächst die Erstellung eines Lehrplanes, der schließlich im Jahr 1991 erlassen werden konnte. Dieser Lehrplan war sehr knapp gehalten und hatte nur einen Übersichtscharakter. Im Jahr 2005 wurde das Orthodoxe Schulamt gegründet, dessen Leiter zurzeit der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich Metropolit von Austria Arsenios (Kardamakis) ist. Die Funktion des geschäftsführenden Schulamtsleiters hat Fachinspektor Mag. Branislav Djukaric inne.

Das Orthodoxe Schulamt konnte in den Jahren seines Bestehens den Orthodoxen Religionsunterricht in Österreich strukturell und organisatorisch wesentlich konsolidieren. Es wurden inzwischen drei neue Lehrpläne erarbeitet: für Volksschulen (Vorschulstufe und Grundstufe), für allgemeinbildende höhere Schulen (Unterstufe), Hauptschulen und Polytechnische Schulen sowie für allgemeinbildende höhere Schulen (Oberstufe) und berufsbildende mittlere und höhere Schulen. Eine weitere Aufgabe ist die Erstellung von Lehrbüchern und Materialien für den Religionsunterricht. Bisher konnte das orthodoxe Religionsbuch für die Volksschulen fertig gestellt werden. Es wird für alle vier Schulstufen der Volksschule verwendet.

Ein sehr brisantes Problem ist die Ausbildung und Fortbildung der ReligionslehrerInnen. Viele unserer ReligionslehrerInnen kamen zunächst aus dem Ausland nach Österreich, was manche Probleme mit sich brachte (ungenügende Kenntnis des österreichischen Schulwesens, Schwierigkeiten mit der deutschen Unterrichtssprache, Probleme mit der Nostrifikation der Ausbildung etc.). Ein entscheidender Schritt zur Lösung dieser Probleme konnte gesetzt werden, seitdem die Aus- und Fortbildung der ReligionslehrerInnen an der von der römisch-katholischen Erzdiözese Wien errichteten Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien in Geist der ökumenischen Zusammenarbeit ermöglicht wurde. An der KPH Wien erfolgen nun die Ausbildung der orthodoxen ReligionslehrerInnen an Pflichtschulen und die Fortbildung der orthodoxen ReligionslehrerInnen aller Schulen.

Im laufenden Schuljahr unterrichten etwa 85 ReligionslehrerInnen österreichweit ca. 11.200 SchülerInnen an ungefähr 825 Standorten, die Hälfte davon in Wien. Die Tendenz der Teilnahme am Religionsunterricht ist in den letzten Jahren steigend.

Diakon DDr. Johann Krammer
Professor an der KPH Wien-Krems