Die in den beiden vorangehenden Punkten dargelegte Bedeutung des Religionsunterrichts setzt einen konfessionellen Religionsunterricht voraus. Nur in einem konfessionellen Religionsunterricht kann den SchülerInnen jene Hilfe zur Identitätsfindung und Beheimatung geboten werden, die für ihre Entwicklung und für das Zusammenleben in Gesellschaft und Staat so wichtig ist. Daher kann die Orthodoxe Kirche all jenen Bestrebungen nichts abgewinnen, die auf einen überkonfessionellen oder sogar religionskundlichen Religionsunterricht abzielen. Natürlich ist damit die Zusammenarbeit verschiedener Konfessionen bei schulischen Projekten und interkonfessionellen Begegnungen in keiner Weise ausgeschlossen, sondern sogar erwünscht. Aber es darf keinen Verzicht auf das konfessionelle Zeugnis innerhalb des Religionsunterrichts geben, da damit der Auftrag der österreichischen Schule, „an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten sowie nach den Werten des Wahren, Guten und Schönen durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken“ (vgl. SchOG § 2(1)), nicht mehr in zufriedenstellender Weise erfüllt werden könnte.

Man könnte hier eine Parallele zur Kenntnis der eigenen Muttersprache ziehen. Erst wenn der Mensch seine eigene Muttersprache erlernt hat und spricht, entwickelt sich in ihm die notwendige und sichere Grundlage zum Erlernen anderer Sprachen und zum Verständnis anders sprechender Menschen.

 

 

Diakon DDr. Johann Krammer
Professor an der KPH Wien-Krems