Die heutige Gesellschaft ist multiethnisch, multikulturell und multireligiös. Dies bringt viele Herausforderungen für die einzelnen Menschen wie auch für die gesamte Gesellschaft mit sich. Oberstes Ziel muss ein friedliches Zusammenleben und Zusammenarbeiten aller in gegenseitigem Respekt und Toleranz sein. Nur so kann es zu einer echten Integration kommen. Um in diesem Sinne die anderen achten zu können, ist es unumgänglich, dass wir uns selbst kennen und akzeptieren. Eine solche Identitätsfindung wird aber vor allem im Religionsunterricht ermöglicht.

Die Lehrpläne für den orthodoxen Religionsunterricht sprechen diese Zielsetzung dezidiert an. So wird im Lehrplan für den orthodoxen Religionsunterricht an Volksschulen 2008 unter dem Abschnitt „Bildungsziel und Bildungs- und Lehraufgaben“ ausgeführt: „Wenn Schüler und Schülerinnen in ihrer Konfession beheimatet sind und in ihr Halt und Zuversicht finden, werden sie dadurch besser befähigt werden, den Menschen, die anderen Kulturen angehören und andere Religionen und Weltanschauungen bekennen, angstfrei und in Toleranz zu begegnen. Sie werden so zu einem Zusammenleben in der Gesellschaft in Gerechtigkeit und Frieden und zur Lösung der Probleme des Lebens vorbereitet.“ Im Lehrplan für den orthodoxen Religionsunterricht an allgemeinbildenden höheren Schulen (Oberstufe) und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen 2011 wird noch hinzugefügt: „Damit bietet der orthodoxe Religionsunterricht eine wertvolle Hilfe für die soziale Integration in Österreich und das friedliche Zusammenleben der Völker und Menschen in Europa.“ Im Gegensatz dazu ist religiöses Unwissen und religiöse Gleichgültigkeit der Nährboden für Unverständnis, Angst, Intoleranz und Gewalt.

Damit erlangt der Religionsunterricht eine enorme Bedeutung auch für den Staat, zu dessen Aufgaben es ja gehört, bestmögliche Bedingungen für die Integration und ein gedeihliches Zusammenleben aller BürgerInnen zu schaffen. Wie im oben angeführten Lehrplan bereits angedeutet, erhält der Religionsunterricht damit eine gesamteuropäische Bedeutung. Der orthodoxe Religionsunterricht im Besonderen trägt zu einem besseren Verständnis der christlichen Kultur Europas bei, zu der neben der abendländischen christlichen Kultur ja wesentlich auch das ostkirchliche Erbe gehört.

 

 

Diakon DDr. Johann Krammer
Professor an der KPH Wien-Krems