Nach orthodoxem Kirchenverständnis besteht nur eine Orthodoxe Kirche, die jedoch durch die geschichtliche
Entwicklung konkret in mehreren autokephalen orthodoxen Kirchen existiert. Demzufolge gibt es in
Österreich – gesetzlich anerkannt – nur einen gemeinsamen Religionsunterricht für alle Schülerinnen und
Schüler des orthodoxen Glaubensbekenntnisses.
 
Die orthodoxen Schülerinnen und Schüler haben in ihren Ursprungsländern die Orthodoxe Kirche meist mit
dem Gefühl der eigenen Zugehörigkeit zu einer sprachlich-ethnischen Gemeinschaft kennengelernt. In der
Diasporasituation vermittelt der Religionsunterricht in seinem panorthodoxen und deutschsprachigen Kontext
unseren Schülern neben der Vermittlung grundlegender Kenntnisse des orthodoxen Glaubens und der Lehre
die wichtige Erfahrung der Einheit der Orthodoxie. Er stellt für nicht wenige Schülerinnen und Schüler die
Möglichkeit für einen ersten und oft fast einzigen Kontakt zur Orthodoxen Kirche in Österreich dar und trägt
zur gegenseitigen Akzeptanz und Annäherung sowie zur Integration der verschiedenen orthodoxen
Kommunitäten bei.
 
Eine solche gemeinsame orthodoxe Identitätsfindung wird den orthodoxen Schülerinnen und Schülern durch
Beheimatung und Verwurzelung in der eigenen Religion nur im konfessionellen, schulischen
Religionsunterricht ermöglicht. Dies schafft eine starke Basis für ihre weitere positive Entwicklung und für
das wertschätzende Zusammenleben in der multiethnisch, multikulturell und multireligiös geprägten
Gesellschaft. Damit erhält der Religionsunterricht auch eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung.
Der Orthodoxe Religionsunterricht wurde zunächst außerhalb der Schule, nur innerkirchlich in den jeweiligen
Gemeindezentren erteilt. Das Recht zur Erteilung des Religionsunterrichts in allen öffentlichen Schulen
Österreichs erhielt die Orthodoxe Kirche durch ihre gesetzliche Anerkennung in Folge des
Orthodoxengesetzes aus dem Jahr 1967.
 
Da der Religionsunterricht lehrplanbezogen ist, war als notwendige Grundlage für die Erteilung des
orthodoxen Religionsunterrichts, zuerst die Erstellung eines Lehrplanes, der letztendlich im Jahr 1991 durch
das zuständige Bildungsministerium kundgemacht wurde.
 
Dieser Lehrplan wurde vom damaligen Metropoliten von Austria Michael (Staikos) erstellt und approbiert. Er
war sehr knapp konzipiert und hatte nur einen Übersichtscharakter. Im Schuljahr 1991/92 wurde der
Orthodoxe Religionsunterricht an den staatlichen Schulen in Österreich, vor allem in größeren Städten,
eingeführt, bzw. an allen Orten, wo dies durch die Anzahl der Schülerinnen und Schüler möglich war.
 
Auf Grund der ständig wachsenden Zahl orthodoxer Schülerinnen und Schülern an österreichischen Schulen
und des bestehenden Bedarfes für eine bessere Organisation und Koordination des Religionsunterrichtes
wurde im Juni 2005, als gemeinsame kirchliche Einrichtung, ein Orthodoxes Schulamt für die orthodoxe
Glaubensgemeinschaft in Österreich gegründet. Das Schulamt ist somit zur zuständigen innerkirchlichen
Stelle für alle organisatorischen, rechtlichen, personalen, disziplinären und administrativen Belange des
Orthodoxen Religionsunterrichtes geworden.
 
Seit der Gesetzesnovelle aus dem Jahr 2011 besteht als oberstes Gremium der Orthodoxen Kirche in
Österreich unter dem Vorsitz des griechisch-orientalischen Metropoliten von Austria eine Orthodoxe
Bischofskonferenz, zu deren Kompetenzen gemäß dem Orthodoxengesetz auch die Koordination des
orthodoxen Religionsunterrichts gehört. Demzufolge ist der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in
Österreich, Metropolit von Austria Arsenios (Kardamakis), Leiter des Schulamtes. Die Funktion des
Schulamtsleiter-Stellvertreters hat Fachinspektor Branislav Djukaric inne.
 
Das Orthodoxe Schulamt konnte in den letzten fünfzehn Jahren seines Bestehens den Orthodoxen
Religionsunterricht in Österreich strukturell und organisatorisch in allen wesentlichen Bereichen
konsolidieren. Es wurden inzwischen drei neue Lehrpläne erarbeitet: für Volksschulen (Vorschulstufe und
Grundstufe), für allgemeinbildende höhere Schulen (Unterstufe), Mittelschulen und Polytechnische Schulen
sowie für allgemeinbildende höhere Schulen (Oberstufe) und berufsbildende mittlere und höhere Schulen.
 
Da der Lehrplan für die Volksschule biblisch orientiert ist, wurde als erstes orthodoxes Schulbuch im Jahr
2009 für alle vier Schulstufen der Volksschule eine in der orthodox-byzantinischen Tradition illustrierte
Kinderbibel „Bibel in kurzen Erzählungen“ veröffentlicht und damit den Kindern in der Primarstufe ein
Überblick über die biblische Heilsgeschichte ermöglicht.
 
Zur Verwendung im Orthodoxen Religionsunterricht in der Sekundarstufe I u. II wurde 2015 erstmals im
deutschsprachigen Raum als zweites orthodoxes Schulbuch eine „Orthodoxe Schulbibel“ veröffentlicht. Sie
beinhaltet die vier Evangelien, die Apostelgeschichte sowie ausgewählte Psalmen. Der biblische Text wurde
ausgehend von vorhandenen Übersetzungen nach dem byzantinischen Text revidiert. Zum weiteren Gelingen
des Unterrichts sollte das im Jahr 2018 zuletzt veröffentlichtes Schulbuch „Orthodoxes Schulgebetbuch“
beitragen. Die Entwicklung von qualitativ guten und schulstufengerechten Lehr- und Unterrichtsmaterialien
gehört zu den prioritären Zukunftsaufgaben.
 
Durch die Einrichtung der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien im Oktober 2007 erhielt die
Orthodoxe Kirche in Österreich an dieser einzigen orthodoxen Lehreinrichtung für die Pflichtschulen im
deutschsprachigen Raum die Möglichkeit zur religionspädagogischen Ausbildung der Pflichtschullehrerinnen
und -lehrer und Fortbildung aller Religionslehrerinnen und -lehrer.
 
Im Herbst 2015 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Universität Wien ein Masterstudium
„Religionspädagogik“ mit orthodoxem Schwerpunkt an der Katholisch-Theologischen Fakultät eingerichtet.
Der neu eingerichtete Studiengang, der einen konfessionell-orthodoxen Schwerpunkt hat, dient der
Ausbildung von zukünftigen orthodoxen Religionslehrerinnen und -lehrern im Oberstufenbereich.
Der Orthodoxe Religionsunterricht gilt in allen öffentlichen und mit dem Öffentlichkeitsrecht ausgestatteten
Schulen Österreichs für alle Schülerinnen und Schüler, die einer gesetzlich anerkannten Orthodoxen Kirche
angehören, als Pflichtgegenstand, sofern sie nicht von diesem abgemeldet sind. Darüber hinaus können auch
konfessionslose Schülerinnen und Schüler, die einer nicht gesetzlich anerkannten Kirche oder
Religionsgesellschaft angehören, am orthodoxen Religionsunterricht als Freigegenstand teilnehmen.
 
Unter dem orthodoxen Religionsunterricht versteht man den Unterricht für junge orthodoxe Christen aus der
Griechisch-orthodoxen, Russisch-orthodoxen, Serbisch-orthodoxen, Rumänisch-orthodoxen und Bulgarisch-
orthodoxen Kirche, sowie aus allen anderen der hier anwesenden Autokephalen Orthodoxen Kirchen, die in
Österreich noch nicht durch ihre eigene Kirchgemeinde gesetzlich vertreten sind.
 
Im laufenden Schuljahr 2020/21 gibt es über 15.200 orthodoxe Schülerinnen und Schüler, die in ganz
Österreich am orthodoxen Religionsunterricht an Pflichtschulen sowie an Mittleren und Höheren Schulen
teilnehmen und von 128 Religionslehrerinnen und Religionslehrern an 1090 Schulen unterrichtet werden, die
Hälfte davon in Wien. Für die gesamte innere Organisation des Orthodoxen Religionsunterrichtes sind zurzeit
zwei Fachinspektoren zuständig. Statistische Erhebungen der letzten 20 Jahren lassen einen ständigen Anstieg
der Zahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schülern erkennen.